Sonntag, 31. Mai 2009

Hellboy - Die goldene Armee


Nachdem Guillermo del Toros Hellboy (2004) einen relativ schlechten Start bei mir erwischt hatte – dreimaliges Sehen war nötig, um den schlussendlich wirklich guten Film zu erkennen –, gelingt der Fortsetzung Hellboy – Die goldene Armee (2008) ein weitaus besserer Einstand. Dieser spinnt die Geschichte des Erstlings konsequent fort. Ein Großteil der Story dreht sich um das junge Glück von Hellboy und Liz. Und als würde dieses nicht ohnehin genügend Konfliktpotential enthalten, bekommen sie es nebenbei auch noch mit einem größenwahnsinnigen Prinzen zu tun, der es mit Hilfe der Goldenen Armee auf die Weltherrschaft abgesehen hat.

Es ist schön zu sehen, dass die Hellboy-Fortsetzung sich nicht schlicht auf das Schneller, Höher, Weiter-Prinzip verlässt. Vielmehr besinnt sich Guillermo del Toro auf die Stärken, die schon den ersten Teil maßgeblich geprägt haben. Neben viel lauter, knallbunter Action, die auch hier wieder mit sicherem Gespür umgesetzt wurde, besticht der Film vor allem durch seine interessanten Protagonisten. Besonders Comicverfilmungen neigen ja oftmals dazu, ihre Effekte über den restlichen Film zu stellen. Del Toro lässt kein Ungleichgewicht entstehen. Vielmehr konfrontiert er Hellboy und seine Mitstreiter mit sehr menschlichen, universellen Problemen, die sie neben dem Kampf um das Schicksal der Welt zu schultern haben. Die Protagonisten besitzen Ecken und Kanten, wirken nicht wie aus einem Baukasten für Comic-Charaktere. Das „Anders-Sein“ nimmt einen hohen Stellenwert als zentrales Dilemma ein. So gelingt es dem Film eine tiefere Ebene, fernab von optischen Schauwerten, zu etablieren. Eine Ebene, die sich auf den Akzeptanzgedanken fokussiert. In diesen Kontext reiht sich die Szene, in der sich Hellboy durch einen Sturz auf die belebte Straße der Welt offenbart. Kein Versteckspiel mehr. Hellboys Weg, um der ewigen Flucht vor den Menschen – und auch vor sich selbst – ein Ende zu setzen und Akzeptanz einzufordern. Derzeit versteht es del Toro wie kein zweiter diese Elemente im modernen Popcorn-Kino zu vereinen. (8/10 Punkten)



Donnerstag, 7. Mai 2009

Diane Krueger is a Basterd-Poster

Nach den beiden Inglourious Basterds Charakter-Postern mit den Herren Pitt und Roth folgt nun das dritte mit Diane Krueger.




An dieser Stelle noch mal die beiden bekannten Poster:


Quelle: www.slashfilm.com

Montag, 27. April 2009

V wie Vendetta


Rache als zentrales Motiv erfreut sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts stetig wachsender Beliebtheit bei Filmemachern und Publikum. Gleiches wird mit Gleichem vergolten. Entweder dadurch begründet, dass dem Protagonisten unverzeihliches angetan wurde (Thriller – Ein unbarmherziger Film (1974), Der Graf von Monte Cristo (1975), Kill Bill Vol. 1+2 (2003/2004), Oldboy (2003)) oder aber einer ihm nahe stehenden Person (Die Jungfrauenquelle (1960), dessen Remake Last House on the Left (1972), Spiel mir das Lied vom Tod (1968), Irreversibel (2002), Sweeney Todd (2007)). Der auf dem gleichnamigen Alan Moore-Comic basierende V wie Vendetta (2006) – zugehörig zu erster Kategorie – greift dieses in beinahe allen denkbaren Variationen durchgespielte Motiv auf und verbindet es mit den dystopischen Welten von George Orwell (1984) und Ray Bradbury (Fahrenheit 451).

James McTeigues V wie Vendetta spielt im faschistischen Groß Britannien der Zukunft. Allgemeine Unsicherheit und ein totalitäres Regierungssystem verdammen die öffentliche Stimme zur Passivität. Als Anführer der Revolution setzt es sich der Maskierte V zum Ziel, die unterdrückte Öffentlichkeit zu befreien und den tyrannischen Großkanzler Adam Sutler zu stürzen. Erlebnisse aus Vs Vergangenheit machen aus dem Befreiungsschlag ein persönliches Rache-Szenario. Mittendrin Evey Hammond, die sich für eine Seite entscheiden muss.


Das in V wie Vendetta gezeichnete Gesellschaftsbild ist geprägt von Unterdrückung und umfassender Kontrolle seitens des Staates – personifiziert durch den Großkanzler Sutler. Wie in den großen literarischen Vorbildern (1984, Fahrenheit 451) bestimmt die Umkehrung der Machtverhältnisse das Geschehen. Aus dem herrschenden Volk werden beherrschte Untertanen. Dem Regisseur gelingt es, mit relativ einfachen Mitteln die Unterdrückung greifbar zu machen. Rigoros durchgesetzte, staatliche Restriktionen, denen Evey anfangs beinahe zum Opfer fällt, Vs anklagende Videobotschaft an die britische Bevölkerung und vor allem die Dialoge zwischen Großkanzler Sutler und seinen Beratern zeichnen ein deutliches Bild. Eine im Zusammenhang mit der Unterdrückung höchst eindrucksvolle Szene präsentiert sich dem Zuschauer, als sich alle aufgestaute Energie der Bevölkerung mit einem Paukenschlag freisetzt. Die von Großkanzler Sutler errichteten Mauern werden gesprengt, als sich Heerscharen mit Guy Fawkes-Masken durch Londons Straßen ergießen. Die Revolution hat begonnen. Sutlers Militär wird widerstandslos umspült wie Steine am Strand. Visuell ein dynamisches Highlight, katalysiert durch den maskierten Unbekannten.


V wie Vendetta gelingt es schnell die Sympathien für seinen Protagonisten zu wecken. Filme mit starkem Rache-Motiv haben meist auch die besten Voraussetzungen. Welchem Zuschauer fällt es sonderlich schwer, sich in eine gepeinigte Seele hineinzuversetzen, die nach Vergeltung sinnt? Dieser psychologische Vorteil greift hier jedoch zunächst nicht. Denn McTeigues Film enthüllt Vs Rachemotiv erst verhältnismäßig spät. Vielmehr gewinnt V bereits zu Beginn durch Eloquenz, Charme und konsequentes Auftreten die Gunst des Publikums. Sein Underdog-Charakter im Kampf gegen ein übermächtiges System sorgt für das Übrige. Um den gesichtslosen V als starke Identifikationsfigur zu etablieren, bedient sich der Film häufiger inhaltlicher Parallelen zwischen ihm und anderen positiv belegten Figuren. Dazu baut der Film beispielsweise etliche frappierende Gemeinsamkeiten zwischen V und Eveys Kollegen Gordon auf, der auf eigene Art gegen das Regime des Großkanzlers kämpft. Beide Charaktere verschmelzen. V verliert auf diese Weise etwas von seiner unfassbaren Aura. Er wird als Mensch greifbarer. Seine Sehnsucht nach Rache eindringlicher. Ein intelligenter Zug, bei dem man sich als Zuschauer die Frage stellt, ob der Film auch ohne dieses Stilmittel funktioniert hätte? Höchst wahrscheinlich. Denn Hugo Weaving besitzt selbst unter seiner Guy Fawkes-Maske mehr Ausdrucksvermögen als viele seiner heutigen Kollegen ohne Gesichtsverdeckung. Weaving beziehungsweise die Rolle des Rächers verdeutlicht, wie viel Effekt durch bedacht eingesetztes Gestenspiel erreicht werden kann.

McTeigues V wie Vendetta versteht sich als Unterhaltungsfilm mit dem Anspruch seine Zuschauer zum Mitdenken zu animieren. Keinesfalls sollte die Comicverfilmung als Actionvehikel gesehen werden. Unter diesem Aspekt betrachtet, dürfte vielen Zuschauern eine Enttäuschung bevorstehen. Im Vordergrund steht die Charakterentwicklung der Protagonisten V und Evey. Action mit einem zuverlässigen Gespür für Timing und den richtigen Blickwinkel wird an bestimmten Stellen eingestreut. Merkwürdigerweise erinnern viele der Einstellung und ebenso viele einzelne Bewegungen Vs an die Comicverfilmung Blade (1998) des britischen Regiekollegen Stephen Norrington. Dies sei nur als Randnotiz festgehalten. Was V wie Vendetta wesentlich stärker kennzeichnet, ist seine wertneutrale Auseinandersetzung mit dem Motiv der Blutrache – der Vendetta. So stellt Evey V die Frage nach der Moral seiner Bestrebungen. Jener betrachtet seinen Feldzug als bis zur letzten –tödlichen – Konsequenz gerechtfertigt. Der Zuschauer hingegen muss entscheiden, ob er dieser Meinung folgen kann. Vorgefertigte Antworten liefert der Film nicht. Die Ambivalenz in Vs Charakter tritt hier deutlich hervor. Die Wahl seiner Mittel erinnert stark an seinen Antagonisten Sutler. V bedient sich medialer Propaganda, verübt Anschläge. Er unterzieht Evey mentaler und physischer Folter, um sie zu einem angstfreien Leben umzuerziehen. Alles strikt nach Methodik des Gegners. Doch wo muss man Grenzen ziehen? Kann man Gutes erreichen, indem man die Mittel des Gegners anwendet? Fragen, die ohne Zweifel diskussionswürdig sind.


Nachdem die Wachowski-Brüder ihren Stern mit Hilfe der Matrix-Trilogie (1999 & 2003) sowohl zum Erstrahlen als auch zum anschließenden Erlöschen gebracht hatten, gelang ihnen als Autoren von V wie Vendetta ein großer, überraschender Wurf. Weg von verquasteten, pseudophilosophischen Effektgewittern, hin zu ungewöhnlichen, ambivalenten Charakteren, wohldosierter Action und einer fesselnden Story. Ein Film für Zuschauer, die eine gelungene Verquickung aus Unterhaltung und Tiefgang zu schätzen wissen.

Freitag, 10. April 2009

Michael Manns Public Enemies Trailer #2

Der zweite Trailer zu Michael Manns Public Enemies mit Johnny Depp und Christian Bale. Sieht auf jedenfall sehr vielversprechend aus. Obwohl nicht in bester Qualität vermittelt der Trailer viel Atmosphäre. Ich bin gespannt.

Sonntag, 5. April 2009

Die Suche ist vorbei: New Line hat seinen Freddy Krueger

Jackie Earle Haley is moving to Elm Street, signing to star as iconic killer Freddy Krueger in New Line and Platinum Dunes’ relaunch of “A Nightmare on Elm Street.”

Platinum Dunes partners Michael Bay, Brad Fuller and Andrew Form are producing with John Ricard co-producing. Samuel Bayer will direct from Wesley Strick’s script, with lensing set to begin next month in Chicago.

New Line decided last year to relaunch the movie series centered on the iconic killer, who haunts the dreams of teenagers and kills them in their sleep. Krueger was played by Robert Englund in the 1984 original, spawning nine films and two TV series in what was New Line’s most lucrative franchise until “The Lord of the Rings.”

The relaunch comes on the heels of New Line and Platinum Dunes’ rebirth of another horror franchise, “Friday the 13th,” which has grossed $65 million domestically since its launch on Friday, Feb. 13.

Haley starred in “Watchmen” as Rorshach and will next be seen alongside Leonardo DiCaprio in Phoenix Pictures “Shutter Island,” directed by Martin Scorsese.

Quelle: Variety.com


Nun ist es raus. New Line Cinema hat in Jackie Earle Haley (Watchmen, Little Children) seinen neuen Freddy Krueger gefunden. Nun steht dem Re-Launch für die „A Nightmare On Elm Street“-Reihe nichts mehr im Weg. Der Drehbeginn ist für Ende des Monats angesetzt. Als vorläufiger US-Starttermin wurde der 16.04.2010 benannt. Man darf gespannt sein. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wiedergeburt der zweiten Killer-Ikone nicht so in den Sand gesetzt wird wie bei Freitag, der 13.



Creep


Die junge Kate wird durch Pech über Nacht im Londoner Underground eingesperrt. Doch sie ist nicht alleine. Ein Monster, welches für das Verschwinden zahlreicher Obdachloser verantwortlich ist, hat es auf sie abgesehen. Derart lässt sich die nicht sonderlich innovative Story der deutsch/britischen Co-Produktion Creep (Regie: Christopher Smith, 2004) kurz zusammenfassen. Mittendrin Franka Potente als Kate, die hier etwas unbeholfen um ihr Leben rennen und durch etliche Logiklöcher stolpern muss. Dabei sollte der Zuschauer Creep zumindest zu Gute halten, dass der technisch durchweg solide Film, mit einer spannend gestalteten Exposition aufwarten kann. Die klaustrophobische Leere des abgeriegelten Bahnhofs und die noch unidentifizierte Gefahr sind ansprechend in Szene gesetzt. Der vielversprechende erste Eindruck verpufft aber zusehends. Durch die stetig weiter ausgedehnte Screentime des Creeps verliert der Film viel von seinem Potential. Die irrationale, diffuse Spannung des Beginns tritt in den Hintergrund und wird zunehmend durch blutige Einlagen kompensiert. Diese sind deftig ausgefallen, nützen aber auch nicht viel. Hätten die Verantwortlichen die Absicht verfolgt, den Film wenigstens ein Stück weit aus dem Sumpf ähnlich gelagerter Produktionen zu hieven, hätten andere Wege beschritten werden müssen. Was bleibt ist ein Machwerk nach Schema F mit zahlreichen ungeklärten Fragen. Fragen wie: Warum schert sich niemand um eine U-Bahn, in der scheinbar unzählige Obdachlose verschwinden? Wieso erwischt es den Nachtwärter des Londoner Undergrounds erst jetzt? Warum tötet der Creep einige seiner Opfer an Ort und Stelle, während andere zunächst in einem Wasserkäfig zum Dahinsiechen gelagert werden? Und wer hat überhaupt das Make-up für den Degenerierten verbrochen? Alles Fragen, zu denen man eigentlich gar keine wirkliche Antwort haben möchte. (04/10 Punkten)


Dienstag, 31. März 2009

Eden Lake


Wie in der Kurzkritik zu Ruins (2008) angemerkt, häufen sich aktuelle Beispiele, in denen sich der Horror aus Urlaubs- und Erholungssituationen entspinnt, zunehmend. Der britische Eden Lake (2008) entspricht genau diesem Muster. Regisseur James Watkins lässt in seinem Film das junge Pärchen Steve und Jenny zu einem Wochenende am idyllischen Eden Lake aufbrechen. Fernab vom Alltag suchen sie nach ein paar ungestörten, romantischen Tagen. Keiner der beiden ahnt jedoch, dass eine Bande jugendlicher Delinquenten die Gegend um den See terrorisiert. So wird aus anfänglichen Anfeindungen und Provokationen schnell bitterer Ernst.


Das britische DVD-Cover titelt The Best British Horror Film in Years. Dass solche Äußerungen stets mit Vorsicht zu genießen sind, ist bekannt. Doch wenn Eden Lake tatsächlich zur Spitze des britischen Horrorfilms gezählt werden soll, möchte man vom Rest am liebsten gar nichts wissen. Nach einem durchweg gelungenen Start, der sogar mit sympathischen Protagonisten aufwarten kann, verflacht die Qualität zusehends. Was anfangs noch Hoffnung auf einen kreativen Horrortrip macht, entpuppt sich spätestens nach dem ersten Drittel als stark ausgelutschter Backwood-Streifen. Eden Lake wandelt auf derart ausgetrampelten Pfaden, dass sich der Zuschauer meist nicht mal groß Mühe geben muss, um die folgenden Plotwendungen zu erahnen. Oder wie kommt es, dass in allen Filmen dieser Gattung die Opfer auf ihrer Flucht stets auf Personen treffen, die entweder Verwandte oder Freunde der Aggressoren sind? Es scheint jedenfalls ein in Stein gemeißeltes Gesetzt zu sein, das auch Eden Lake treudoof befolgt. Ein zusätzliches Ärgernis sind dermaßen auffällige Logiklöcher und Absurditäten, die erst recht hervorstechen, wenn man sich als Zuschauer nicht sonderlich vom Plot herausgefordert fühlt. Da hilft es auch nicht, dass man sich freudig von Genrekollegen wie dem französischen Ils (2006) „inspirieren“ lässt.

Angenehm hingegen fällt auf, dass Eden Lake sich nicht nur auf die explizite Darstellung von Gewalt verlässt, sondern sich diesbezüglich in relativ moderaten Bahnen bewegt. Ein- oder zweimal arbeitet Watkins tatsächlich mit Spannung und dem Gefühl des Terrors. Oder versucht es zumindest. Bezüglich des Finales fällt eine Bewertung nicht leicht. Ein ambivalentes Gefühl ist alles was zunächst zurück bleibt. Stünde das schlichte, abrupte Ende für sich alleine, gäbe es diese Zwiegespaltenheit nicht. Aber allein die Herleitung des Finales bereitet dem Genrefreund einiges an Bauchgrimmen. So ist alles was nach dem Abspann übrig bleibt nur ein mittelmäßiger Genrefilm, der bei weitem nicht sein Potential ausschöpft. (5/10 Punkten)


P.S.: Allen Freuden der britischen Unterschichtssprache sei der Originalton empfohlen.

Freitag, 27. März 2009

Midnight Meat Train


Nach Sichtung von Ryûhei Kitamuras (Versus) neustem Werk wird sich der eine oder andere Großstädter beim Betreten der lokalen U-Bahn sicherlich mehr als einmal besorgt über die Schulter blicken. Schuld daran ist die Verfilmung von Clive Barkers Kurzgeschichte Midnight Meat Train aus den Büchern des Blutes. In dieser verwandelt der hühnenhafter Metzger Mahogany die New Yorker Metro in ein Schlachthaus auf Rädern. Durch Zufall kommt ihm der aufstrebende Fotograf Leon auf die Spur. Auf der Jagd nach verwertbaren Aufnahmen für sein Debüt in einer angesehenen Galerie kreuzen sich die Wege der beiden zum ersten Mal. Fortan vergräbt sich Leon immer tiefer in Nachforschungen, bis sogar seine Freundin in Gefahr gerät.


Um Kitamuras Midnight Meat Train wurde im Vorfeld viel gerätselt. Nachdem 2007 ein US-Starttermin bekannt gegeben wurde, den Lionsgate alsbald wieder canceln lies, wusste keiner so recht, ob aus Midnight Meat Train noch etwas werden würde. Im Spätsommer 2008 bekam der Film schließlich doch noch eine Chance auf eine amerikanische Kinoauswertung und scheiterte kläglich. Sowohl der verschobene Starttermin als auch der Flop an den Kassen sprechen nicht unbedingt für die Qualität des Films. Könnte man meinen. Doch das schlechte Omen bewahrheitet sich nicht. Midnight Meat Train ist ein kleiner, gemeiner Streifen, der durchweg für gute Unterhaltung sorgt. Drehbuch-Autor Jeff Buhler hat Barkers Kurzgeschichte ohne größere Schwierigkeiten auf Spielfilmlänge aufgeblasen. Unnötige Längen bleiben dem Zuschauer erspart. Dafür bekommt er eine dichte, funktionierende Atmosphäre, die den Film von Anfang bis Ende trägt. Verstärkt wird der positive Eindruck zudem durch die unterkühlten Aufnahmen der New Yorker Metro. Dass Midnight Meat Train trotz seiner angenehmen Geradeheraus-Attitüde kein wirklich harter Schocker geworden ist, liegt zu einem Großteil an Kitamuras comichafter Inszenierung. Einige Szenen bewegen sich zwar hart an der Schmerzgrenze, werden jedoch durch allzu übertriebene Splattereinlagen und kreativ eingesetzte Stilmittel, wie einige ungewöhnliche Point-of-View-Einstellungen, wieder relativiert. Der Cast kann weitgehend überzeugen. Einziger Kritikpunkt ist Metzger Vinnie Jones. Seine imposante Statur scheint zwar maßgeschneidert für den Film, alles in allem wirkt er nichtsdestotrotz ein wenig ausdrucksschwach und farblos.

Midnight Meat Train ist ein Film, der nicht viel will, außer seinen Zuschauern 90 unterhaltsame Minuten zu bescheren. Das gelingt ihm sehr ordentlich. Ein Umstand, den Kitamuras Film schon mal 80% seiner heutigen Genrekollegen voraus hat. (8/10 Punkten)


Neustart des Blogs

Lang ist’s her. Mittlerweile ruht der Blog seit über fünf Monaten. Nun habe ich den guten Vorsatz gefasst, wann immer es mir möglich ist, wieder aktiv zu werden. Das bedeutet, dass es künftig wieder längere Filmbesprechungen, Kurzkritiken, Buchvorstellungen und auch aktuelle News geben wird. Ich hoffe, dass mein Blog wieder den einen oder anderen Leser finden wird. Ich freue mich jedenfalls auf die künftige Arbeit. Schon der erste Post fühlt sich nach zu Hause an.

Montag, 20. Oktober 2008

Inglourious Bastards - Erstes Bild vom Set

Herr Pitt beim Posieren für seinen neuen Streifen. Bin auf das Endprodukt gespannt!



Quelle: ComingSoon.net

Samstag, 18. Oktober 2008

TV-Tipps (18.10. - 24.10.2008)

Samstag, der 18.10.2008
  • 22:25: 12 Monkeys (ARD)
  • 00:35: Die Flucht von Alcatraz (Kabel1)
  • 01:30: French Connection 2 (SAT.1)

Sonntag, der 19.10.2008
  • 20:15: X-Men 2 (RTL)
  • 20:15: Flight Plan (PRO7)
  • 20:40: The Doors (ARTE)
  • 22:15: Panic Room (PRO7)
  • 00:15: Scarface (NDR, geschnitten)

Montag, der 20.10.2008
  • 20:15: Die Simpsons (PRO7)
  • 20:45: Die Simpsons (PRO7)

Dienstag, der 21.10.2008
  • 21:15: Dr. House (RTL)
  • 22:50: L.A. Crash (RBB)
  • 00:00: Die Stunde des Jägers (BR)
  • 00:30: Im Westen nichts Neues (NDR)

Mittwoch, der 22.10.2008
  • 20:15: Die Fliege (Das 4.)
  • 22:25: Virtuosity (Kabel1, geschnitten)

Donnerstag, der 23.10.2008
  • 23:15: Sabata (HR)

Freitag, der 24.10.2008
  • 20:15: James Bond 007 - GoldenEye (PRO7)
  • 20:15: Wenn der Postmann zweimal klingelt (Das 4.)
  • 22:25: Die letzte Metro (3SAT)
  • 22:55: Universal Soldier (RTL2)

Mittwoch, 15. Oktober 2008

L.A. Confidential


Schattenseiten.

Klatsch und Tratsch gleicht einem Volkssport. Die Menschen absorbieren Gerüchte und verbreiten sie weiter. Sie lieben ihren dreckig-anrüchigen Mief - so lange dieser nicht von der eigenen schmutzigen Wäsche herrührt. Je abgründiger, desto besser. Homosexualität, Kommunismus, Drogenmissbrauch und Gewaltverbrechen sind der Stoff, aus dem im Hollywood Mitte des 20. Jahrhunderts tiefschwarze Klatsch-Alpträume für so manche prominente Persönlichkeit gewoben worden sind. Die einen verpuffen noch ehe ihr Klang verhallt ist, andere hingegen haften hartnäckig. Alles streng vertraulich und „Hush-Hush“. Selbstverständlich! L.A. Confidential (1997), basierend auf dem gleichnamigen Mammutwerk des wortgewaltigen Kriminalautors James Ellroy, präsentiert solch ein düsteres Alptraumnetz aus Verbrechen und Klatsch - die Film bzw. im eigentlichen Sinne Buch gewordene Antithese zur vordergründigen Glamourwelt der Traumfabrik Hollywood.

Wem James Ellroys Roman ein Begriff ist, der weiß, um welch komplexe - für eine Adaption denkbar ungeeignet vielschichtige - Vorlage es sich bei „L.A. Confidential“ handelt. In diesem Kontext ist Brian Helgelands Verdienst am Script umso höher einzustufen. Er präsentiert ein Paradebeispiel dafür, wie man aus einer diffizilen Vorlage mit scheinbar chirurgischer Akribie ein kleines Juwel zu Tage fördert. Sicher, Details gehen hier und da verloren und auch der eine oder andere Subplot muss auf der Strecke bleiben. Im Großen und Ganzen ist dies jedoch mehr als gut zu verschmerzen. Es zählt die ausgewogene Balance, welche Helgeland besonders im Hinblick auf den nötigen Entfaltungsraum der drei Protagonisten Edmund Exley, Jack Vincennes und Wendell ’Bud’ White herauskristallisiert hat.

Ein Restaurant-Massaker wird für diese drei grundverschiedenen Charaktere zur Feuerprobe. Jeder mit eigenen Lastern und Schwächen, die er zu schultern hat, gerät auf individuelle Weise in den gleichen Strudel aus Korruption, Mord und Erpressung. Scheinbar zufällige Ereignisse gewinnen in einem übergeordneten Kontext an Bedeutung, geschickt werden Querverbindungen aufgebaut, welche sich schlussendlich zu einem perfekt verwobenen Verbrechensmosaik zusammenfügen. Aus dieser nonchalanten Beiläufigkeit L.A. Confidential zu erzählen, gewinnt der Film seinen ungeheuer starken Reiz und eine nicht zu unterschätzende Bodenständigkeit. Nichts an der Story wirkt erzwungen oder überkonstruiert, nur damit am Ende eine imaginäre Rechnung aufgehen kann. Stattdessen hat der Zuschauer das angenehme Gefühl einer natürlichen Entwicklung, die gar keine anderen Wege hätte einschlagen können, beizuwohnen.

L.A. Confidential ist nicht nur eine Huldigung, eine perfekt inszenierte Reminiszenz in Spielfilmlänge – „L.A. Confidential“ ist reiner Film Noir. Die Handlung, ihre Charaktere, ebenso das gesamte Setting atmen im Sekundentakt den schmutzigen Staub der großen Brüder aus den frühen Tagen Hollywoods – nur vielleicht noch ein Stück weit düsterer, noch dichter und undurchschaubarer gestrickt. Zweifelsohne war in einigen frühen Vertretern der Schwarzen Serie eine klare Rollenverteilung bis zu einem gewissen Grad auch nicht stets gegeben (On Dangerous Ground (1952), Asphalt Jungle (1950)), aber so weit ins Herz der Finsternis wie Regisseur Curtis Hanson dürfte sich bisher kaum jemand gewagt haben, was zumindest unter den damaligen Umständen, bedenkt man u. a. die Reglementierungen des Production Codes, auch nicht weiter verwundert. Sicherlich ließ man zu damaligen Zeiten bevorzugt klar definierte Fronten aufeinanderprallen (Crossfire (1947), The Racket (1951), The Narrow Margin (1952) oder Crime Wave (1954)), um der Gerechtigkeit am Ende mit Hilfe eines strahlenden Helden zu ihrem Recht zu verhelfen.

Dass dies bei L.A. Confidential (und sicherlich anderen Vertretern in abgeschwächterem Maße) nicht der Fall ist, verleiht dem Film und insbesondere seinen Charakteren ihre besondere Anziehungskraft und Vitalität. Der Reiz des Verbotenen schenkt der Geschichte, explizit in Bezug auf den unberechenbaren ’Bud’ White, die emotional stärksten Szenen, welche sich hier evident aus seinen Schwächen entwickeln. Seine Überfürsorge für misshandelte Frauen in Verbindung mit dem exzessiven Hang zur Gewalt versetzen den Zuschauer bereits zu Beginn des Films in starke emotionale Anspannung, die durch geschickt gesetzte Stützpunkte (u.a. die „Bloody Christmas-Schlägerei, Whites wiederholte Konfrontationen mit dem verhassten Ed Exley oder sein Alleingang bei der Befreiung des mexikanischen Mädchens) über die gesamte Spielzeit aufrecht erhalten werden kann. White gelingt es auf süffisante Art, den Zuschauer als Komplizen zu gewinnen und erschreckend leicht für sich zu vereinnahmen. Obwohl er zumindest in der ersten Hälfte nichts weiter als ein Hooligan mit Dienstmarke zu sein scheint, wirken er und seine Taten anziehend. Taten, die objektiv jenseits des Guten liegen, subjektiv aber gefährlich starke Genugtuung bereiten. Aus rein persönlicher Sicht lässt sich deshalb konstatieren, dass ’Bud’ wohl der interessanteste Charakter des Dreiergespanns ist - sowohl in der grandiosen Romanvorlage als auch in Hansons/Helgelands kongenialer Adaption. Dafür prädestinieren ihn sowohl eine kompromisslose Geradeheraus-Attitüde als auch die äußerst subtil eingewobene Charakterentwicklung, die den Bogen vom tumben, aber doch naiv-gutherzigen Prügelknaben zum selbstständig ermittelnden Cop schlägt. (Vielleicht eine direkte Symbiose aus Sterling Haydens Filmcharakteren Dix Handley (Asphalt Jungle) und Det. Lt. Sims (Crime Wave)?! Jedenfalls bestehen vom Typus her zwischen Hayden und Crowe nicht von der Hand zu weisende Parallelen.)

Brian Helgeland ist es hoch anzurechnen, dass er die psychologischen Charakterisierungen und die Vielschichtigkeit der Figuren vorlagengetreu übernommen und filmgerecht verarbeitet hat. Nicht nur White, sondern ebenso die Kollegen Ed Exley und Jack Vincennes bieten im Film genügend Material für eine differenzierte Betrachtung. Der Zuschauer kommt in den Genuss die Charaktere mit verstreichender Zeit besser kennen und verstehen zu lernen. Verhaltensmotivationen werden nicht plump in den Raum geworfen, sie werden beiläufig dargeboten, was seinen Anteil zu der bereits zuvor geschilderten, natürlich erscheinenden Entwicklung des Stoffes beiträgt.

Neben der inhaltlichen Ebene ist ebenso das Formale über jeden Zweifel erhaben. Ein Umstand, der den Freund des klassischen Noir-Kinos beim Anblick von Setting und Requisiten das Herz schneller schlagen lässt. Würde man dem Bild seine Farben entziehen, ließe sich keinerlei Unterschied zwischen den klassischen Noir-Vertretern und diesem Neo-Noir ausmachen. Einen großen Anteil an der superben Visualisierung hat ohne Zweifel Kameramann Dante Spinotti, welcher L.A. Confidential mit Hilfe unterschiedlichster Stilmittel zur optischen Perfektion verhilft. Die technische Ebene wird zum Spiegel des Narrativen, was eine unheimlich effektvolle Direktheit, deren Wirkung in jeder Sekunde bis zum Maximum ausgekostet wird, aufbaut.

L.A. Confidential verdient ohne Zweifel seinen Ruf als beste Ellroy-Umsetzung und sticht damit andere Adaptionsversuche wie den inakzeptablen Cop (1988), basierend auf Ellroys erstem Teil der wuchtigen Lloyd-Hopkins-Trilogie, genauso wie Brian De Palmas mittelmäßigen Black Dahlia (2006) problemlos aus. Die inhaltliche Dichte wird ohne große Probleme filmgerecht komprimiert. Der kantige Stil und die Rauheit der Vorlage finden sich kompromisslos umgesetzt. Abgerundet wird das Gesamtpaket schließlich noch durch einen hervorragenden Cast, welcher u. a. mit Höchstleistungen von Russel Crowe, Kevin Spacey und Kim Basinger aufwarten kann (10/10 Punkten).


Sonntag, 12. Oktober 2008

TV-Tipps (11.10. - 17.10.2008)

Samstag, der 11.10.2008
  • 20:15: Der ewige Gärtner (SAT.1)
  • 22:15: Matrix (RTL2)
  • 23:20: Scarface (RBB, geschnitten)
  • 00:25: Die letzte Nacht des Boris Gruschenko (MDR)
  • 01:55: French Connection (SAT.1)

Sonntag, der 12.10.2008
  • 20:15: The Da Vinci Code - Sakrileg (PRO7)
  • 00:15: Die schwarze Dahlie (NDR)
  • 00:20: True Romance (Kabel1)

Montag, der 13.10.2008
  • 20:15: Die Simpsons (PRO7)
  • 22:15: Im Körper des Feindes (ZDF)

Dienstag, der 14.10.2008
  • 21:15: Dr. House (RTL)
  • 22:15: Monk (RTL)
  • 00:30: Die Spur des Fremden (SWR)

Mittwoch, der 15.10.2008
  • 23:00: Die Verurteilten (SWR)
  • 23:30: Mississippi Burning (HR)

Donnerstag, der 16.10.2008
  • 20:15: Fluchtpunkt San Francisco (Das 4.)

Freitag, der 17.10.2008
  • 20:15: Die Rückkehr der Jedi-Ritter (PRO7)
  • 01:45: Ein Köder für die Bestie (RBB)

Samstag, 4. Oktober 2008

TV-Tipps (04.10. - 10.10.2008)

Samstag, der 04.10.2008
  • 00:15: Der unauffällige Mr. Crane (WDR)
  • 00:40: Kalifornia (ARD)

Sonntag, der 05.10.2008
  • 20:15: Die Bourne Verschwörung (RTL)
  • 00:10: Django (3SAT, geschnitten)

Montag, der 06.10.2008
  • 20:15: Die Simpsons (PRO7, NEUE FOLGEN)

Dienstag, der 07.10.2008
  • 21:15: Dr. House (RTL)
  • 22:15: Monk (RTL)
  • 03:00: Plan 9 from Outer Space (ARTE)

Donnerstag, der 09.10.2008
  • 22:05: Rambo (VOX)
  • 23:50: Nur die Sonne war Zeuge (ARTE)

Freitag, der 10.10.2008
  • 20:15: Das Imperium schlägt zurück (PRO7)
  • 20:15: Easy Rider (Das 4.)
  • 22:20: Matrix (RTL2)

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Frontier(s)


Frankreich hat sich in den letzten Jahren als recht kompetente Anlaufstelle für den begierigen Gorehound erwiesen. Dass dabei nicht alles Glänzende auch Goldstatus für sich beanspruchen darf, beweist nach gelungenen Genre-Produktionen wie Alexandre Ajas High Tension (2003) ein Film jüngerer Generation: Frontier(s) – ein uninspirierter Zwitter irgendwo zwischen Texas Chainsaw Massacre und Hostel.
Nach einem fehlgeschlagenen Raubüberfall flieht eine Gruppe junger Krimineller aus dem von Unruhen gebeutelten Paris. Ihr Ziel: ein ruhiger Ort nahe der belgischen Grenze, wo man untertauchen will, bis sich die Wogen glätten. Das kleine Hotel, in dem sie absteigen, führt sie jedoch auf direktem Weg vom Regen in die Traufe, denn bei den Besitzern handelt es sich um eine inzestuös-sadistische Nazifamilie, die sich dort nach Ende des 2. Weltkrieges angesiedelt hat.

Zugegeben, Frontier(s) überschreitet Grenzen, wahrscheinlich jedoch gänzlich andere als von Regisseur Xavier Gens intendiert. Schneller, höher, weiter oder: kränker, dreckiger und blutiger. So in etwa muss die inoffizielle Maxime gewesen sein. Doch gewollt, ist noch lange nicht gekonnt und deshalb geht die Grenzverschiebung eher in Richtung unfreiwilliger Komiker und mangelnder Kreativität seitens des Drehbuchs. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wie wild und ungeniert bei den amerikanischen Genrekollegen (die bisweilen auch nicht wesentlich besser sind) gewildert wird. Billige Klischees bleiben dabei nicht außen vor und werden gleich umunwunden mitverwurstet. Ganz böse und unfreiwillig komisch ist die Porträtierung der Nazifamilie, der man sogleich jede Stereotype, die man irgendwo aufgabeln konnte, zu Eigen gemacht hat.
Vollkommen unpointiert und nur von vermeintlichen Ekel- und Gewaltszenen (die immerhin solide umgesetzt wurden) getragen, dümpelt Frontier(s) orientierungslos bis zum Finale vor sich hin. Den Gorehound wird’s vielleicht freuen, jeder der zumindest ein wenig Spannung, Geschichte oder ein bisschen Pepp in Bezug auf die Inszenierung wünscht, sollte sich woanders umsehen. (3/10 Punkten)

P.S.: Besonderes Highlight des Films sind die in der französischen Originalfassung eingestreuten, deutschen Sätze des Familienoberhaupts. Schön lächerlich.

Samstag, 27. September 2008

Wanted (2008)

Die kreativen Köpfe der Filmindustrie, insbesondere jene des Actiongenres, sind scheinbar ständig gezwungen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und mit immer neuen Schauwerten zu glänzen. Logisch, oftmals haben die Machwerke auch nicht wesentlich mehr im Gepäck, womit sie punkten könnten. Da wird dem Auge des Zuschauers schon mal mehr Aufmerksamkeit geschenkt als dem zentralen Denkorgan. Ein weiterer Aspirant dieser Sorte ist „Wanted“ (2008)- Timur Bekmambetovs („Nochnoy dozor“, „Dnevnoy dozor“) US-amerikanisches Spielfilmdebüt.
Die Story desselben ist kurz erzählt: Loser Wesley Gibson erhält die Nachricht vom Tod seines Vaters. Dies allein reicht sicherlich schon aus, um jemanden gehörig aus der Bahn zu werfen, doch es kommt noch dicker. Ihm wird offenbart, dass sein Vater ein Profikiller der ganz harten Sorte war. Nun ist es an Wesley in die Fußstapfen seines alten Herrn zu treten und die Jagd auf dessen Killer zu eröffnen.
In Petto hat Bekmambetov ein bemerkenswert substanzloses Machwerk mit einem zum Teil (ehrlicherweise zugegebenen) nicht zu unterschätzenden Unterhaltungsfaktor, welcher jedoch insbesondere zu Anfang noch stark um die Oberhand zu kämpfen hat. Der Feind: ein oftmals absolut nervig-selbstzweckhafter Einsatz optischer Stilmittel in Kombination mit einer pseudozynischen Einführung des ungeheuer unsympathischen Standard-Losers Wesley Gibson. Sind diese Querelen erst einmal überstanden, darf sich der geneigte Zuschauer an massig spektakulären Actionszenen ergötzen, die durchaus imposant geraten sind. Der typische Wermutstropfen: das Gebotene wirkt selbst für eine Comicadaption, ja selbst für ein Comicuniversum, wo schließlich so einiges erlaubt ist, derart lächerlich und überzogen, dass man einerseits zwar kaum aus dem Staunen herauskommt, sich andererseits hinterher nichtsdestotrotz vollkommen ungesättigt fühlt. Ein bemerkenswert ambivalentes Gefühl, welches dieser Film hervorzurufen vermag.
Um dieses Gefühl jedoch beim Zuschauer so weit wie möglich einzudämmen, hat man sich im Script auf Bewährtes besonnen. Deshalb darf natürlich beispielsweise Wesleys Training, welches ihn vom Bürohengst zum Superkiller macht, in aller Breite ausgewalzt werden. Der Weg ist das Ziel… oder wie war das doch gleich?! Das einzige Plus, was „Wanted“ diesbezüglich jedoch einheimsen kann, ist die frische Rohheit im Umgang mit Wesley, dem man es irgendwie gönnt. Fragt man am Ende nun nach der Moral von der Geschichte, so kann sie nur lauten: Verlasse dich auf einen Webstuhl und du wirst sehen, wo dich das hinführt. 5/10 Punkten.