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Sonntag, 31. Mai 2009

Hellboy - Die goldene Armee


Nachdem Guillermo del Toros Hellboy (2004) einen relativ schlechten Start bei mir erwischt hatte – dreimaliges Sehen war nötig, um den schlussendlich wirklich guten Film zu erkennen –, gelingt der Fortsetzung Hellboy – Die goldene Armee (2008) ein weitaus besserer Einstand. Dieser spinnt die Geschichte des Erstlings konsequent fort. Ein Großteil der Story dreht sich um das junge Glück von Hellboy und Liz. Und als würde dieses nicht ohnehin genügend Konfliktpotential enthalten, bekommen sie es nebenbei auch noch mit einem größenwahnsinnigen Prinzen zu tun, der es mit Hilfe der Goldenen Armee auf die Weltherrschaft abgesehen hat.

Es ist schön zu sehen, dass die Hellboy-Fortsetzung sich nicht schlicht auf das Schneller, Höher, Weiter-Prinzip verlässt. Vielmehr besinnt sich Guillermo del Toro auf die Stärken, die schon den ersten Teil maßgeblich geprägt haben. Neben viel lauter, knallbunter Action, die auch hier wieder mit sicherem Gespür umgesetzt wurde, besticht der Film vor allem durch seine interessanten Protagonisten. Besonders Comicverfilmungen neigen ja oftmals dazu, ihre Effekte über den restlichen Film zu stellen. Del Toro lässt kein Ungleichgewicht entstehen. Vielmehr konfrontiert er Hellboy und seine Mitstreiter mit sehr menschlichen, universellen Problemen, die sie neben dem Kampf um das Schicksal der Welt zu schultern haben. Die Protagonisten besitzen Ecken und Kanten, wirken nicht wie aus einem Baukasten für Comic-Charaktere. Das „Anders-Sein“ nimmt einen hohen Stellenwert als zentrales Dilemma ein. So gelingt es dem Film eine tiefere Ebene, fernab von optischen Schauwerten, zu etablieren. Eine Ebene, die sich auf den Akzeptanzgedanken fokussiert. In diesen Kontext reiht sich die Szene, in der sich Hellboy durch einen Sturz auf die belebte Straße der Welt offenbart. Kein Versteckspiel mehr. Hellboys Weg, um der ewigen Flucht vor den Menschen – und auch vor sich selbst – ein Ende zu setzen und Akzeptanz einzufordern. Derzeit versteht es del Toro wie kein zweiter diese Elemente im modernen Popcorn-Kino zu vereinen. (8/10 Punkten)



Sonntag, 5. April 2009

Creep


Die junge Kate wird durch Pech über Nacht im Londoner Underground eingesperrt. Doch sie ist nicht alleine. Ein Monster, welches für das Verschwinden zahlreicher Obdachloser verantwortlich ist, hat es auf sie abgesehen. Derart lässt sich die nicht sonderlich innovative Story der deutsch/britischen Co-Produktion Creep (Regie: Christopher Smith, 2004) kurz zusammenfassen. Mittendrin Franka Potente als Kate, die hier etwas unbeholfen um ihr Leben rennen und durch etliche Logiklöcher stolpern muss. Dabei sollte der Zuschauer Creep zumindest zu Gute halten, dass der technisch durchweg solide Film, mit einer spannend gestalteten Exposition aufwarten kann. Die klaustrophobische Leere des abgeriegelten Bahnhofs und die noch unidentifizierte Gefahr sind ansprechend in Szene gesetzt. Der vielversprechende erste Eindruck verpufft aber zusehends. Durch die stetig weiter ausgedehnte Screentime des Creeps verliert der Film viel von seinem Potential. Die irrationale, diffuse Spannung des Beginns tritt in den Hintergrund und wird zunehmend durch blutige Einlagen kompensiert. Diese sind deftig ausgefallen, nützen aber auch nicht viel. Hätten die Verantwortlichen die Absicht verfolgt, den Film wenigstens ein Stück weit aus dem Sumpf ähnlich gelagerter Produktionen zu hieven, hätten andere Wege beschritten werden müssen. Was bleibt ist ein Machwerk nach Schema F mit zahlreichen ungeklärten Fragen. Fragen wie: Warum schert sich niemand um eine U-Bahn, in der scheinbar unzählige Obdachlose verschwinden? Wieso erwischt es den Nachtwärter des Londoner Undergrounds erst jetzt? Warum tötet der Creep einige seiner Opfer an Ort und Stelle, während andere zunächst in einem Wasserkäfig zum Dahinsiechen gelagert werden? Und wer hat überhaupt das Make-up für den Degenerierten verbrochen? Alles Fragen, zu denen man eigentlich gar keine wirkliche Antwort haben möchte. (04/10 Punkten)


Dienstag, 31. März 2009

Eden Lake


Wie in der Kurzkritik zu Ruins (2008) angemerkt, häufen sich aktuelle Beispiele, in denen sich der Horror aus Urlaubs- und Erholungssituationen entspinnt, zunehmend. Der britische Eden Lake (2008) entspricht genau diesem Muster. Regisseur James Watkins lässt in seinem Film das junge Pärchen Steve und Jenny zu einem Wochenende am idyllischen Eden Lake aufbrechen. Fernab vom Alltag suchen sie nach ein paar ungestörten, romantischen Tagen. Keiner der beiden ahnt jedoch, dass eine Bande jugendlicher Delinquenten die Gegend um den See terrorisiert. So wird aus anfänglichen Anfeindungen und Provokationen schnell bitterer Ernst.


Das britische DVD-Cover titelt The Best British Horror Film in Years. Dass solche Äußerungen stets mit Vorsicht zu genießen sind, ist bekannt. Doch wenn Eden Lake tatsächlich zur Spitze des britischen Horrorfilms gezählt werden soll, möchte man vom Rest am liebsten gar nichts wissen. Nach einem durchweg gelungenen Start, der sogar mit sympathischen Protagonisten aufwarten kann, verflacht die Qualität zusehends. Was anfangs noch Hoffnung auf einen kreativen Horrortrip macht, entpuppt sich spätestens nach dem ersten Drittel als stark ausgelutschter Backwood-Streifen. Eden Lake wandelt auf derart ausgetrampelten Pfaden, dass sich der Zuschauer meist nicht mal groß Mühe geben muss, um die folgenden Plotwendungen zu erahnen. Oder wie kommt es, dass in allen Filmen dieser Gattung die Opfer auf ihrer Flucht stets auf Personen treffen, die entweder Verwandte oder Freunde der Aggressoren sind? Es scheint jedenfalls ein in Stein gemeißeltes Gesetzt zu sein, das auch Eden Lake treudoof befolgt. Ein zusätzliches Ärgernis sind dermaßen auffällige Logiklöcher und Absurditäten, die erst recht hervorstechen, wenn man sich als Zuschauer nicht sonderlich vom Plot herausgefordert fühlt. Da hilft es auch nicht, dass man sich freudig von Genrekollegen wie dem französischen Ils (2006) „inspirieren“ lässt.

Angenehm hingegen fällt auf, dass Eden Lake sich nicht nur auf die explizite Darstellung von Gewalt verlässt, sondern sich diesbezüglich in relativ moderaten Bahnen bewegt. Ein- oder zweimal arbeitet Watkins tatsächlich mit Spannung und dem Gefühl des Terrors. Oder versucht es zumindest. Bezüglich des Finales fällt eine Bewertung nicht leicht. Ein ambivalentes Gefühl ist alles was zunächst zurück bleibt. Stünde das schlichte, abrupte Ende für sich alleine, gäbe es diese Zwiegespaltenheit nicht. Aber allein die Herleitung des Finales bereitet dem Genrefreund einiges an Bauchgrimmen. So ist alles was nach dem Abspann übrig bleibt nur ein mittelmäßiger Genrefilm, der bei weitem nicht sein Potential ausschöpft. (5/10 Punkten)


P.S.: Allen Freuden der britischen Unterschichtssprache sei der Originalton empfohlen.

Freitag, 27. März 2009

Midnight Meat Train


Nach Sichtung von Ryûhei Kitamuras (Versus) neustem Werk wird sich der eine oder andere Großstädter beim Betreten der lokalen U-Bahn sicherlich mehr als einmal besorgt über die Schulter blicken. Schuld daran ist die Verfilmung von Clive Barkers Kurzgeschichte Midnight Meat Train aus den Büchern des Blutes. In dieser verwandelt der hühnenhafter Metzger Mahogany die New Yorker Metro in ein Schlachthaus auf Rädern. Durch Zufall kommt ihm der aufstrebende Fotograf Leon auf die Spur. Auf der Jagd nach verwertbaren Aufnahmen für sein Debüt in einer angesehenen Galerie kreuzen sich die Wege der beiden zum ersten Mal. Fortan vergräbt sich Leon immer tiefer in Nachforschungen, bis sogar seine Freundin in Gefahr gerät.


Um Kitamuras Midnight Meat Train wurde im Vorfeld viel gerätselt. Nachdem 2007 ein US-Starttermin bekannt gegeben wurde, den Lionsgate alsbald wieder canceln lies, wusste keiner so recht, ob aus Midnight Meat Train noch etwas werden würde. Im Spätsommer 2008 bekam der Film schließlich doch noch eine Chance auf eine amerikanische Kinoauswertung und scheiterte kläglich. Sowohl der verschobene Starttermin als auch der Flop an den Kassen sprechen nicht unbedingt für die Qualität des Films. Könnte man meinen. Doch das schlechte Omen bewahrheitet sich nicht. Midnight Meat Train ist ein kleiner, gemeiner Streifen, der durchweg für gute Unterhaltung sorgt. Drehbuch-Autor Jeff Buhler hat Barkers Kurzgeschichte ohne größere Schwierigkeiten auf Spielfilmlänge aufgeblasen. Unnötige Längen bleiben dem Zuschauer erspart. Dafür bekommt er eine dichte, funktionierende Atmosphäre, die den Film von Anfang bis Ende trägt. Verstärkt wird der positive Eindruck zudem durch die unterkühlten Aufnahmen der New Yorker Metro. Dass Midnight Meat Train trotz seiner angenehmen Geradeheraus-Attitüde kein wirklich harter Schocker geworden ist, liegt zu einem Großteil an Kitamuras comichafter Inszenierung. Einige Szenen bewegen sich zwar hart an der Schmerzgrenze, werden jedoch durch allzu übertriebene Splattereinlagen und kreativ eingesetzte Stilmittel, wie einige ungewöhnliche Point-of-View-Einstellungen, wieder relativiert. Der Cast kann weitgehend überzeugen. Einziger Kritikpunkt ist Metzger Vinnie Jones. Seine imposante Statur scheint zwar maßgeschneidert für den Film, alles in allem wirkt er nichtsdestotrotz ein wenig ausdrucksschwach und farblos.

Midnight Meat Train ist ein Film, der nicht viel will, außer seinen Zuschauern 90 unterhaltsame Minuten zu bescheren. Das gelingt ihm sehr ordentlich. Ein Umstand, den Kitamuras Film schon mal 80% seiner heutigen Genrekollegen voraus hat. (8/10 Punkten)


Donnerstag, 2. Oktober 2008

Frontier(s)


Frankreich hat sich in den letzten Jahren als recht kompetente Anlaufstelle für den begierigen Gorehound erwiesen. Dass dabei nicht alles Glänzende auch Goldstatus für sich beanspruchen darf, beweist nach gelungenen Genre-Produktionen wie Alexandre Ajas High Tension (2003) ein Film jüngerer Generation: Frontier(s) – ein uninspirierter Zwitter irgendwo zwischen Texas Chainsaw Massacre und Hostel.
Nach einem fehlgeschlagenen Raubüberfall flieht eine Gruppe junger Krimineller aus dem von Unruhen gebeutelten Paris. Ihr Ziel: ein ruhiger Ort nahe der belgischen Grenze, wo man untertauchen will, bis sich die Wogen glätten. Das kleine Hotel, in dem sie absteigen, führt sie jedoch auf direktem Weg vom Regen in die Traufe, denn bei den Besitzern handelt es sich um eine inzestuös-sadistische Nazifamilie, die sich dort nach Ende des 2. Weltkrieges angesiedelt hat.

Zugegeben, Frontier(s) überschreitet Grenzen, wahrscheinlich jedoch gänzlich andere als von Regisseur Xavier Gens intendiert. Schneller, höher, weiter oder: kränker, dreckiger und blutiger. So in etwa muss die inoffizielle Maxime gewesen sein. Doch gewollt, ist noch lange nicht gekonnt und deshalb geht die Grenzverschiebung eher in Richtung unfreiwilliger Komiker und mangelnder Kreativität seitens des Drehbuchs. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wie wild und ungeniert bei den amerikanischen Genrekollegen (die bisweilen auch nicht wesentlich besser sind) gewildert wird. Billige Klischees bleiben dabei nicht außen vor und werden gleich umunwunden mitverwurstet. Ganz böse und unfreiwillig komisch ist die Porträtierung der Nazifamilie, der man sogleich jede Stereotype, die man irgendwo aufgabeln konnte, zu Eigen gemacht hat.
Vollkommen unpointiert und nur von vermeintlichen Ekel- und Gewaltszenen (die immerhin solide umgesetzt wurden) getragen, dümpelt Frontier(s) orientierungslos bis zum Finale vor sich hin. Den Gorehound wird’s vielleicht freuen, jeder der zumindest ein wenig Spannung, Geschichte oder ein bisschen Pepp in Bezug auf die Inszenierung wünscht, sollte sich woanders umsehen. (3/10 Punkten)

P.S.: Besonderes Highlight des Films sind die in der französischen Originalfassung eingestreuten, deutschen Sätze des Familienoberhaupts. Schön lächerlich.

Samstag, 27. September 2008

Wanted (2008)

Die kreativen Köpfe der Filmindustrie, insbesondere jene des Actiongenres, sind scheinbar ständig gezwungen, sich gegenseitig zu übertrumpfen und mit immer neuen Schauwerten zu glänzen. Logisch, oftmals haben die Machwerke auch nicht wesentlich mehr im Gepäck, womit sie punkten könnten. Da wird dem Auge des Zuschauers schon mal mehr Aufmerksamkeit geschenkt als dem zentralen Denkorgan. Ein weiterer Aspirant dieser Sorte ist „Wanted“ (2008)- Timur Bekmambetovs („Nochnoy dozor“, „Dnevnoy dozor“) US-amerikanisches Spielfilmdebüt.
Die Story desselben ist kurz erzählt: Loser Wesley Gibson erhält die Nachricht vom Tod seines Vaters. Dies allein reicht sicherlich schon aus, um jemanden gehörig aus der Bahn zu werfen, doch es kommt noch dicker. Ihm wird offenbart, dass sein Vater ein Profikiller der ganz harten Sorte war. Nun ist es an Wesley in die Fußstapfen seines alten Herrn zu treten und die Jagd auf dessen Killer zu eröffnen.
In Petto hat Bekmambetov ein bemerkenswert substanzloses Machwerk mit einem zum Teil (ehrlicherweise zugegebenen) nicht zu unterschätzenden Unterhaltungsfaktor, welcher jedoch insbesondere zu Anfang noch stark um die Oberhand zu kämpfen hat. Der Feind: ein oftmals absolut nervig-selbstzweckhafter Einsatz optischer Stilmittel in Kombination mit einer pseudozynischen Einführung des ungeheuer unsympathischen Standard-Losers Wesley Gibson. Sind diese Querelen erst einmal überstanden, darf sich der geneigte Zuschauer an massig spektakulären Actionszenen ergötzen, die durchaus imposant geraten sind. Der typische Wermutstropfen: das Gebotene wirkt selbst für eine Comicadaption, ja selbst für ein Comicuniversum, wo schließlich so einiges erlaubt ist, derart lächerlich und überzogen, dass man einerseits zwar kaum aus dem Staunen herauskommt, sich andererseits hinterher nichtsdestotrotz vollkommen ungesättigt fühlt. Ein bemerkenswert ambivalentes Gefühl, welches dieser Film hervorzurufen vermag.
Um dieses Gefühl jedoch beim Zuschauer so weit wie möglich einzudämmen, hat man sich im Script auf Bewährtes besonnen. Deshalb darf natürlich beispielsweise Wesleys Training, welches ihn vom Bürohengst zum Superkiller macht, in aller Breite ausgewalzt werden. Der Weg ist das Ziel… oder wie war das doch gleich?! Das einzige Plus, was „Wanted“ diesbezüglich jedoch einheimsen kann, ist die frische Rohheit im Umgang mit Wesley, dem man es irgendwie gönnt. Fragt man am Ende nun nach der Moral von der Geschichte, so kann sie nur lauten: Verlasse dich auf einen Webstuhl und du wirst sehen, wo dich das hinführt. 5/10 Punkten.


Freitag, 29. August 2008

Dangerous Crossing


Kein dunkler Großstadtmoloch bevölkert von Gangstern, Zuhältern und verführerischen Damen, die den Männern mit ihren Reizen den Kopf verdrehen. Keine Detektive, die mit rüden Manieren und schnoddriger Schnauze ihren Fällen bis zum bitteren Ende nachgehen. Stattdessen ist die Location ein Schiff - ein ziemlich untypischer Ort für den sonst so stark an Asphalt gebundenen Film Noir – und die Protagonistin eine jung verheiratete Frau, die sich in „Dangerous Crossing“ (1953) auf die Suche nach ihrem Ehemann begibt.
Es sollte eigentlich eine Kreuzfahrt ins Glück werden, auf die sich die frisch Vermählte Ruth mit ihrem Gatten John Bowman begibt. Alles scheint perfekt, doch wie so oft besitzen natürlich solche Situationen das Potential für die größten Alpträume. John Bowman verschwindet kurz nach Betreten des Schiffes ohne jegliche Spur. Auf der Suche nach ihrem Mann droht Ruth immer stärker in Wahnzustände abzugleiten, denn dieser taucht weder auf der Passagierliste noch sonst irgendwo an Bord auf. Was ist passiert? Ist John entführt worden oder entspringt doch nur alles Ruths wilder Fantasie?
Der aus dem Hause 20th Century Fox stammende „Dangerous Crossing“ spielt nicht unbedingt in der Spitzenliga der Schwarzen Serie mit, kann aber zweifelsohne in seinem Milieu mehr als nur überzeugen. Der Film strahlt Frische und eine belebende Vitalität aus, die er sich über die volle Spielzeit bewahren kann. Die Geschichte ist zwar relativ simpel gestrickt, doch die zentrale Frage „Was ist mit Ruths Ehemann geschehen?“ wurde dramaturgisch packend aufbereitet und zieht den Zuschauer in seinen Bann. Hobby-Detektive werden hier zum fröhlichen Mitraten eingeladen, denn auch der Zuschauer wird bis zu letzt ohne Hinweise im Dunkeln gelassen. Misstrauen und Zweifel gegenüber Ruth werden geschickt gestreut und lassen jede nur denkbare Möglichkeit offen. Auch wenn der Film insgesamt eher gemächlich inszeniert ist, gelingt es trotzdem ohne Mühen einen starken Spannungsbogen einzuweben, der den Zuschauer erwartungsvoll in Richtung Auflösung blicken lässt. In optischen Belangen erweist sich „Dangerous Crossing“ genauso nebulös wie seine Story. Dichte Nebelschwaden ziehen in s/w über die nächtlichen Decks des Luxusliners, kreieren dabei eine atmosphärische Gänsehaut, die dem Film zweifelsohne gut zu Gesicht steht. (8/10 Punkten)

Dienstag, 19. August 2008

Battle Royale

Was geschieht, wenn die Gesellschaft stetig weiter zerfällt und die Erziehung der rebellierenden nächsten Generation immer stärker aus dem Ruder zu laufen droht? Es werden Gesetze erlassen wie der „Battle Royale Act“, der vorsieht, dass eine ausgesuchte Klasse von Delinquenten auf einer geräumten Insel ein zynisches Spiel auf Leben und Tod zu absolvieren hat. Die Regeln sind einfach: Töte, um zu überleben. Denn nur die Person, die innerhalb eines gesetzten Zeitlimits auch den letzten Klassenkamerad getötet hat, kommt mit heiler Haut davon, wird zum Gewinner des „Königlichen Kampfes“.
Kinji Fukasakus „Battle Royale“ (2000) ist eine erschütternde, unbeschreiblich intensive Erfahrung. Vordergründig beruhen diese Empfindungen sicherlich auf der expliziten Darstellung des gnadenlosen Kampfes zwischen den Schülern. „Battle Royale“ funktioniert als harter Actionfilm ohne Zweifel perfekt. Die Inszenierung fährt fast durchgängig ein unglaublich hohes Tempo, was den Zuschauer zwischen den Kämpfen kaum zur Ruhe kommen lässt. Die Action wird vollmundig kredenzt und ist für den Freund derber Kost genau das Richtige. Doch genügen diese Kriterien allein, um aus dem Film das aufwühlende Meisterwerk zu machen, das er ist? Wohl kaum. Den eindringlichsten Beweis dafür erbringen Filme, wie Scott Wipers ähnlich angelegter „Die Todeskandidaten“(2007). Ein Kratzen an der Oberfläche von „Battle Royale“ hingegen lohnt sich. Zu Tage tritt ein bitterböser und ungeschönter Spiegel der Gesellschaft, der elementares, menschliches Verhalten anhand einer 40-köpfigen Schulklasse, die sich dem Tod gegenüber sieht, analysiert. Dabei tritt die Frage nach der wahren Natur des (unzivilisierten) Menschen in den Fokus. Was von unserem alltäglichen Verhalten sind wir selbst und was davon geht auf soziale bzw. zivilisatorische Zwänge und Reglementierung zurück? Erst der Überlebenskampf auf der Insel ermöglicht einen Blick hinter die Fassade, wenn etwa ein ausgespannter Freund zur Ursache eines Blutbades wird. Für jeden Schüler wird obige Frage gestellt – jedes Mal erhält man eine individuelle Antwort. Neid, Misstrauen und Angst werden zum Funken, der alle Fassaden sprengt. Zumindest dort, wo sie nicht schon bereits gefallen sind. Den einzigen Vorwurf, den man Fukasakus Film machen könnte, ist, dass er zumindest bei der Erstsichtung kaum Zeit lässt, um großartig über solche Aspekte nachzudenken. Dies ist jedoch ein Zugeständnis, dass man als Zuschauer gerne akzeptiert, wenn das Resultat eine solch überzeugende Mischung aus Unterhaltungsfilm und Tiefgang ist. (10/10 Punkten)

Sonntag, 6. Juli 2008

Ruinen

Müssen wir bei Urlaubswerbungen vielleicht künftig wie im Fall von Zigaretten mit kleinen Warnslogans rechnen? „Achtung! Urlaub gefährdet Ihre Gesundheit und kann im schlimmsten Fall zum Tod führen!“. Dahin könnte tatsächlich der Trend gehen, betracht man die aktuelle Entwicklung im Horrorgenre. Horror entspringt vermehrt der Zeit, in der man seine Kraftreserven auftanken bzw. einfach die Seele baumeln lassen will: dem Urlaub. Seien es „Hostel 1+2“, „The Hitcher“ (2007), „Texas Chainsaw Massacre: The Beginning” oder der 2008 angelaufene “Ruinen”.
In letzterem erleben zwei amerikanische Pärchen im Zuge ihres Mexiko-Aufenthalts das pure Urlaubsgrauen. Während der Besichtigung einer abgelegenen Ruine geraten sie und ihre Führer mit den dortigen Einheimischen aneinander. Ohne zu wissen, warum man es auf sie abgesehen hat, fliehen sie auf eine alte Maya-Ruine, auf der man sie künftig durch Waffengewalt isoliert. Erst nach und nach klärt sich, dass es etwas mit dem pflanzlichen Bewuchs der Ruine zu tun haben scheint.
Carter Smiths „Ruins“ liefert dem Horrorfan Standardkost in einer netten kleinen Variante. Weder eine Organisation von Menschenhändlern noch ein Killer on the loose hat es diesmal auf die jugendlichen Protagonisten abgesehen. Vielmehr ist es im Fall von „Ruins“ eine äußerst aggressive Pflanze, die in einer Mischung aus Efeu, Klatschmohn und Cannabis Tod und Verderben für alle diejenigen bedeutet, die sich in ihre Nähe wagen. Weiter reicht dann die Individualität des Spektakels auch nicht, denn ansonsten bietet der Film die typisch platten Horror-Charaktere sowie einige Logikfehler, die mittlerweile irgendwie schon beinahe als obligatorischer Bestandteil des Genres erscheinen. Bei all den Kritikpunkten will man „Ruinen“ jedoch gar nicht absprechen, dass er als Unterhaltung für zwischendurch durchaus keine Fehlentscheidung sein muss. Es gibt einen erkennbaren Spannungsbogen, der den Zuschauer über 90 Minuten bei der Stange halten kann. Des Weiteren kommen hier auch Fans deftiger Effekte auf ihre Kosten und das ganz ohne auf „Hostel 2“-Niveau sinken zu müssen. Alles in allem lautet das Rezept: man nehme ein bisschen Psychoterror, ein paar bitterböse, blutige Einlagen und mische das Ganze mit einem ungewöhnlichen Feindbild. Fertig ist „Ruinen“. Kurzweilig und leicht verdaulich. (6,5/10 Punkten)

Donnerstag, 12. Juni 2008

The Mother of Tears


Ich glaube nicht an Reinkarnation, jedoch hätte mich Dario Argentos „Mother of Tears“ beinahe eines besseren belehrt. Lässt sich da nicht – besonders deutlich im Kontext der ausschweifenden und zuweilen unmotivierten Gewaltexzesse – deutlich die Handschrift des ’96 verstorbenen Genrefilmers Lucio Fulci erkennen, der geradezu unverschämt oft nach dem Credo „Tut’s nicht die Handlung, tut’s der Gorefaktor“ verfahren ist? Einstmals ein Sakrileg beide Namen in einem Atemzug dem Mund entweichen zu lassen, nach den filmischen Gurken der letzten Jahre vielleicht durchaus eine abzuwägende Überlegung? Wer weiß, doch zunächst einmal halblang, denn trotz der Kritikpunkte, die sich „Mother of Tears“ vorwerfen lassen muss, kann man Argento durchaus auch heute noch handwerkliche Souveränität attestieren – jedoch nicht zu verwechseln mit dem kreativen Quell früherer Werke. Alles andere bleibt leider hinter den hohen Erwartungen, die angesichts der Vorgänger „Suspiria“ und „Horror Infernal“ durchaus ihre Daseinsberechtigung haben, zurück. Zugegebenermaßen, „Mother of Tears“ ist nicht der amateurhafte Totalausfall, zu dem er gerne hochstilisiert wird. Nichtsdestotrotz liegen Welten, wenn nicht sogar ganze Galaxien zwischen dem Argento von damals und dem von heute. Hat sich Argento so stark weiterentwickelt und seine Anhänger vergessen mitzunehmen? Zumindest letzterer Aspekt dürfte nicht ganz aus der Luft gegriffen sein. Die Fans wollen das, womit sie Argento in den 70/80ern verwöhnt hat.
Eine gelungene, wenn auch nicht sonderlich originelle Exposition, verspricht zunächst dahingehend Positives. Dieser Eindruck zerstreut sich leider zum Mittelteil hin immer deutlicher. Das Drehbuch bekommt keinerlei Chance dramaturgische Akzente zu setzen, sodass die Flucht bzw. der Kampf gegen die Mutter der Tränen absolut beliebig daherkommt. Aus Filmen wie z.B. „Tenebre“, „Suspiria“ oder „Opera“ haben sich dutzende Szenen – wenn nicht sogar der komplette Film – aufgrund ihrer kreativen Einzigartigkeit und ihrer ungeheuren, rohen Energie ins Gedächtnis gebrannt. Von „Mother of Tears“ bleibt, nachdem der Abspann gelaufen ist, leider nicht sonderlich viel haften. Selbst die teilweise ziemlich heftigen Gore-Effekte, mit denen Argento schon in „Pelts“ nicht gegeizt hat, verfehlen ihre Wirkung. Sie unterstreichen nichts, sie sind lediglich eine plakative Selbstschau, was auf die Dauer einen eher ermüdenden und abstumpfenden Charakter erhält.
Und was bietet „Mother of Tears“ sonst noch? Zahlreiche Querverweise auf die Vorgänger, die in ihrer Tragweite nicht über bloßes namedropping hinausreichen. Ein in Rom stattfindendes pseudoapokalyptisches Weltuntergangsszenario, das zwar nett gemeint ist, aber in seinen Ausmaßen eher dem berühmten Sturm im Wasserglas gleicht. Zudem noch die wohl peinlichsten Hexen der Filmgeschichte, die eher Gruftivarianten von „Germany Next Topmodel“ zu entsprechen scheinen. (5,5/10 Punkten)

Dienstag, 27. Mai 2008

Die 120 Tage von Sodom


Vier faschistische italienische Großbürger ziehen sich mit einer Gruppe bestehend aus Jungen und Mädchen auf ein entlegenes Schloss zurück, um dort ihren perversen Neigungen mit den unterworfenen Jugendlichen zu frönen. Das also ist der Stoff, aus dem Skandale sind. Pier Paolo Pasolinis „Die 120 Tage von Sodom“ hat wie kaum ein zweiter Film zu seiner Entstehungszeit für weltweiten Aufruhr und Verbote gesorgt. Und selbst aus heutiger Sicht – in einer deutlich abgestumpfteren Welt – hat das Werk nichts von seiner Mark erschütternden Wirkung verloren. Pasolinis letzte Regiearbeit als „unbequem“ zu bezeichnen, ist zweifelsohne ein Euphemismus. Selten wurden sinnlose Qualen, unmenschliche Folter und totale Erniedrigungen so drastisch und konsequent in Szene gesetzt. Zusätzliche Intensität bekommt das Gezeigte durch eine betont karg-kühle und trostlose Inszenierungsweise, die sich vor allem im Dekor des Films widerspiegelt.
Es ist zweifelsohne nicht korrekt, „Die 120 Tage von Sodom“ auf seine Schockwirkung – wie es im Verlauf der Filmgeschichte sicherlich nicht zum ersten Mal geschehen ist –
zu reduzieren und ihn somit auf eine Stufe mit gängigen Exploitern zu stellen. Der Film zeichnet vielmehr ein ungeheuer wuchtiges Panoptikum menschlicher und seelischer Dunkelheit im Kontext des Faschismus/ Nationalsozialismus. Allein mittels Pasolinis Charakterisierung der vier Protagonisten sowie der Darstellung der „Opfer“, auf welche nicht näher eingegangen wird (jene bleiben vielmehr eine widerstandslose Masse, die sich ergeben ihrem Schicksal fügt), gelingt eine erschreckende Parabel in Bezug auf die politischen Verhältnisse zur Regierungszeit Mussolinis. Angelehnt an Dantes „Göttliche Komödie“ hat Pasolini sein Werk in drei Höllenkreise (Höllenkreis der Manien, der Scheiße und des Blutes) unterteilt und führt den Zuschauer direkt ins Zentrum jedes dieser Monstrositätenkabinette.
Objektiv gesehen kann man ablehnende Reaktionen des Films gegenüber bis zu einem gewissen Grad durchaus nachvollziehen, denn Pasolini bedient sich ohne Zweifel einer bis aufs Äußerste abstoßenden Bildsprache, die den ein oder anderen wunden Punkt trifft – aber dies nun einmal auch soll. Der Zusch
auer, der jedoch hinter die augenscheinliche Fassade blickt, wird zwar trotzdem mit einer nicht minder abstoßenden Welt konfrontiert, lernt diese aber in einem ganz anderen Kontext – fernab von bloßem Provokationswillen – kennen. (8/10 Punkten)

Dienstag, 18. März 2008

John Rambo


Ein klinisch steriler Raum. Operationssaal 1. Ein Mann im bodenlangen weißen Kittel. Mundschutz. OP- Haube. Auf einem Tablett: medizinisches Besteck. Tupfer. Defibrillator. Krankenschwestern. Ein lebloser Körper in der Raummitte. Muskulös. Kriegsgestählt. Geschäftiges Treiben um ihn herum. Überall Blut…
Dies ist nicht etwa eine Szene des zur Endlosserie mutierenden „Saw“-Franchises, sondern wir werden just in jenem Moment Zeuge eines ganz besonderen Ereignisses: der Wiederbelebung des 80er Jahre-Actionkinos. Operierender Arzt: Sylvester Stallone, welcher mit „John Rambo“ scheinbar im Alleingang die Reanimation vornehmen möchte.
Seine dritte Auflage des Kriegshelden John Rambo ist trotz zwanzigjähriger Ruhepause zweifelsohne als Kind der 80er Jahre zu verorten- jedenfalls so, wie sie sich der Action-Fan mit leicht verklärter rosa-roter Brille wieder herbeisehnt. Stallone scheut sich nicht, seinem Publikum zu geben, wonach es verlangt. „John Rambo“ wirkt dabei geradezu wie ein ironischer, comichaft übertriebener Seitenhieb auf den Genrekollegen Willis, der sich bereits im letzten Jahr anschickte, sein Kind der 80er Jahre – in Gestalt der Stirb Langsam-Reihe – ins neue Jahrtausend zu transferieren. Keineswegs ein schlechter Film stand „Stirb Langsam 4.0“ jedoch nicht mehr so recht in der Tradition seiner Vorgänger. Als eigenständiger Actioner definitiv ein gelungenes Werk, als Teil der „Die Hard“-Serie aber zu kompromissbereit. Stallones Revival hingegen wirkt wie mit dem Vorschlaghammer direkt in den Unterleib. Der Film bewegt sich innerhalb seines gesetzten Rahmens und zeigt auch keinerlei Ambitionen, dem Zuschauer etwas zu versprechen, was er letzten Endes nicht einhalten kann. Kein großes Kino, sondern perfektes Genrefutter, das man entweder für seine Geradeheraus–Attitüde liebt oder hasst. Anhänger von knallharter Actionkost kommen bei Stallones Vehikel jedenfalls mehr als auf ihre Kosten. Technisch souverän zerlegt der Film äußerst spektakulär alles, was ihm vor den Waffenlauf kommt. Dass das nicht immer ganz frei von bloßem Selbstzweck und Schauwillen bleibt, lässt sich kaum verhehlen. Wer sich davon jedoch nicht abschrecken lässt, wird sich zweifelsohne sehr gut unterhalten fühlen. (8,5/10 Punkten)

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Die Nacht der langen Messer

Der heutige Exkurs führt uns in die Niederungen des trashigen Eurokults. Genauer gesagt: ins Land der Pizza und Pasta- eine der Brutstätten von trashigen Filmproduktionen, die wahrscheinlich jedem Bahnhofskino- Anhänger das Herz aufgehen lassen. Andrea Bianchis „Strip Nude for Your Killer“ (1975) gliedert sich mühelos in diese Sparte ein und verrät dem Zuschauer mit seinem englischen Titel bereits die Quintessenz des Streifens. Reduziert auf zwei Wörter: Nacktheit und Mord. Und von beidem hat Bianchi in knapp 90 Minuten wirklich reichlich untergebracht. Die zugegebenermaßen äußerst fadenscheinige Handlung gerät schnell zur Staffage. Was bleibt, ist ein kontinuierlicher Fluss an Blut und Körpersäften, der offensichtlich niemals zu versiegen scheint. Gebettet wird das Vehikel in eine dicke Kruste aus Dreck, die dem Film eine herrlich sleazy Atmosphäre verleiht. Dies und die größtenteils unfreiwillige Komik, die aus einer omnipräsenten Naivität bzw. Bianchis Unvermögen Spannung aufzubauen entsteht, retten den Film vor der Wertung, die ihm eigentlich zustünde. Zudem tritt Bianchi so gut wie jedes Pflänzchen aufkeimender Spannung mit geradezu tödlicher Treffsicherheit in Grund und Boden. Wie kann man aber auch nur auf die Idee kommen, jeden, aber auch wirklich jeden Mord durch einen verräterischen Flashback anzukündigen, der pünktlich immer dann gesetzt wird, wenn wieder mal einer der Knallchargen das Messer zu spüren bekommt? Genauso stellt sich einem unweigerlich die Frage, wieso der Killer stets mit einem Motorradhelm auf dem Kopf durch die Gegend zuckelt, wenn man ihn sowieso nur Auto fahren sieht? Herrlich schräg, herrlich sinnlos, aber immer noch- wenn auch auf eine äußerst merkwürdige Art und Weise- herrlich. Sicher, man benötigt eine hohe Toleranzschwelle und ein eigensinniges Verständnis von Humor, um „Strip Nude for Your Killer“ etwas abgewinnen zu können, aber es ist prinzipiell möglich mit Bianchis Streifen seinen Spaß zu haben. (6,5/10 Punkten)

Dienstag, 25. Dezember 2007

Das Haus auf dem Geisterhügel (1959)

Verwunschene, mit Flüchen belegte Örtlichkeiten jedweder Couleur haben seit jeher ihren angestammten Platz im Horror- und Gruselgenre. Eine zentrale Position unter diesen Ortschaften nimmt das nur allzu populäre, über die Jahre zum Standardrepertoire gewordene Spukschloss ein, in dem meist eine Gruppe Auserwählter ums nackte Überleben kämpfen muss. Castles „Das Haus auf dem Geisterhügel“ (aka „House on Haunted Hill“) aus dem Jahre 1959 bedient sich ebenfalls des klassischen Settings und darf mit Fug und Recht zu den Highlights seiner Zunft gezählt werden.
Wenn das Geld lockt, gestaltet sich Widerstehen schwer- so ist es heute und so war es anscheinend bereits zu früheren Zeiten: Der wohlhabende Frederick Loren (Vincent Price) lädt fünf unterschiedliche Charaktere zu einer Abendgesellschaft in seinem Anwesen, von dem allgemein hin behauptet wird, dass dort mysteriöse, übernatürliche Dinge geschehen. Mit dem Vorwissen, dass bereits sieben Menschen den Besuch des Hauses mit ihrem Leben bezahlt haben, nehmen sie die Einladung an. Um aber ans versprochene Geld zu gelangen- 10 000 Dollar pro Nase- genügt jedoch kein kurzer Abstecher, sondern es wird von Gastgeber Loren eine ganze Nacht- eingeschlossen im Anwesen- vorausgesetzt und genau dort liegt der Hase im Pfeffer.
„Das Haus auf dem Geisterhügel“ beweist höchst eindrucksvoll, dass für Spannung und Atmosphäre keine ausladenden Effektgewitter, aufwändige Goreeffekte oder dröhnende Heavy Metal- Musik von Nöten sind. Der Film generiert mit einfachsten Mitteln eine derart knisternd aufgeladene Atmosphäre, die auch beinahe 50 Jahre nach Entstehung ihre Wirkung zu entfalten vermag. Es ist höchst erstaunlich, was hier mit geschicktem Einsatz von Licht, Schatten und wohl platzierten Schockmomenten für ein fesselnder Spannungsteppich erzeugt werden kann. Gedankt ist dies zu einem Großteil auch der Tatsache, dass der Film den Zuschauer herrlich lange im Dunkeln tappen lässt. Spuken wirklich Geister im Schloss umher? Warum diese Abendgesellschaft mit fünf Fremden? Welche Rolle spielen Loren und seine Frau? Hinweise darauf werden erst im letzten Drittel gestreut, die den Film dann einerseits leider ein wenig entmystifizieren, andererseits jedoch vielschichtiger gestalten.
Schauspielerisch gibt sich der Streifen eher karg und bietet mit seinen fünf Partygästen nur 08/15- Gesichter, an die sich selbst Freunde des Films nur flüchtig erinnern werden. Dankenswerterweise hat „Das Haus auf dem Geisterhügel“ aber ein Ass im Ärmel: Genre-Ikone Vincent Price („Das Pendel des Todes“, „Der Untergang des Hauses Usher“), welcher hier gewohnt souverän aufspielt und dem Film seine persönliche Note aufdrückt. „Das Haus auf dem Geisterhügel“ ist für alle Grusel- und Geisterhausfreunde eine definitive Empfehlung. Klaustrophobisch, beängstigend, klasse. (9/10 Punkten)

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Wilde Erdbeeren


Ingmar Bergmans Filme sind etwas Besonderes und treffen garantiert nicht jedermanns Geschmacksnerv. Schwer zugänglich, verkopft und langatmig sind Argumente, die der normale Kinogänger gegenüber den Werken des jüngst verstorbenen, schwedischen Regisseurs anbringt. Und mit einem Aspekt hat er zumindest recht: der Zugang gestaltet sich bei weitem nicht immer einfach, was so manchen- nachvollziehbarerweise- verschreckt. Aber wenn es dem Zuschauer erst einmal gelingt, sich Eintritt zu verschaffen, abzutauchen eröffnet sich ein entdeckenswerter Kosmos voller Energie und Vitalität. „Wilde Erdbeeren“ nimmt in Bergmans Oeuvre zweifelsohne eine zentrale Position ein. Der 1957 entstandene Film behandelt zwei Tage im Leben des Doktors Isak Borg, der kurz vor dem 50. Jahrestag seiner Promotion beginnt über sein Leben zu sinnieren. Während einer längeren Autofahrt macht er halt an den unterschiedlichsten Stationen seines Lebenswegs und zieht ernüchternde Bilanz. Den Fokus legt Bergman hierbei stark auf das gesprochene Wort- die Dialoge sind essentiell und voll trauriger Schönheit. Nicht verkopft, sondern bewegend- auf eine berührende Weise magisch- gibt sich der Film, während er sein Publikum mit auf eine melancholische Reise nimmt, die sich für Borg schlussendlich als reinigend und lehrreich erweisen soll.
„Wilde Erdbeeren“ ist eine faszinierende Meditation über das Leben, bei der es kein Richtig oder Falsch- nur ein Besser oder Schlechter- zu geben scheint. Ruhig, bedächtig- in langen Einstellungen, die dem Schnittstakkato heutiger Produktionen nicht konträrer entgegenstehen könnten-, aber zu keiner Zeit auch nur in Anflügen langweilig geben sich Bergmans „Wilde Erdbeeren“ (zentraler Punkt in einer von Borgs Erinnerungen) und machen neugierig auf andere Werke des Verstorbenen. (9/10 Punkten)

Freitag, 30. November 2007

Tanz der Vampire

Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ (OT: „The Fearless Vampire Killers“) ist Kult- so zumindest hört man. Doch, dass der filmische Adelstitel „Kult“ nicht zwangsweise mit den eigenen Eindrücken konform geht, dürfte kein Geheimnis und im Falle von „Tanz der Vampire“ einer zu hohen Erwartungshaltung geschuldet sein. Damit einhergehend fällt auch das Fazit leider eher ernüchternd aus.
Dass das Grundgerüst der Geschichte altbekannt ist und nur durch leichte Variationen glänzen kann, ist in dem Zusammenhang noch nicht einmal das große Problem. Vielmehr mangelt es dem Film- besonders in der ersten Halbzeit- deutlich an Pfeffer, Flair, Esprit oder wie man es sonst noch nennen möchte. Sind die beiden Vampirjäger erst einmal auf Krolocks Schloss angelangt, verschwindet dieses Manko aus den Zuschauerköpfen allmählich, jedoch nicht ohne im Gesamteindruck unübersehbare Kratzer zu hinterlassen. Eine nette Idee des Films ist es, in die Vampirgeschichte noch einen Subplot um den Jäger Alfred und die Dorfbewohnerin Sara einzubauen, welche unglücklicherweise von Krolock entführt wird und somit aus der Vampirjagd eine persönliche, schlussendlich fatale Rettungsaktion macht.
Technisch präsentiert sich „Tanz der Vampire“ von seiner Schokoladenseite, sodass man dem Film diesbezüglich nur absolute Souveränität bescheinigen kann. Sowohl die Ausstattung bzw. die Settings- woraus der Streifen einen Großteil seiner wohlig-grusligen Atmosphäre bezieht- als auch die Kameraarbeit sind über jeden Zweifel erhaben und entführen den Zuschauer auf angenehmste Weise in eine fremde, verwunschene Welt. Besonderes Highlight: Alfreds und Dr. Abronsius Kletterpartie in luftiger Höhe auf dem verschneiten Schlossdach, die sie auf sich nehmen müssen, um am Gruftwächter Koukol vorbei an Krolocks Sarg zu gelangen.
Insgesamt soll jetzt nicht der Eindruck erweckt werden, dass „Tanz der Vampire“ schlecht sei- nur leider über die Jahre gealtert. Nichtsdestotrotz wissen einzelne Aspekte- wie die geniale Figur des Dr. Abronsius und dessen Dialoge mit Krolock- zu gefallen. Final gibt es summa sumarum: 7,5/10 Punkten.

Samstag, 17. November 2007

Halloween

Was steckt hinter der nunmehr ziemlich lang anhaltenden Remakewelle, die sowohl Genreklassiker als auch Filme jüngeren Datums gleichermaßen erwischt? Ist es reine Berechnung, die auf einen größtmöglichen Profit abzielt? Oder stecken doch ganz unverhoffte künstlerische Ambitionen hinter derlei Projekten, die dem Original neue Interpretationsmöglichkeiten abzugewinnen versuchen? Das jüngste Beispiel für ein Remake der zweiten Kategorie ist sicherlich Rob Zombies Neuauflage des Carpenter-Klassikers „Halloween“. Zombie, dessen Liebe fürs Horrorgenre schon seinen vorherigen Produktionen („Haus der 1000 Leichen“, „The Devil’s Rejects“) deutlich anzusehen war, gelang mit „Halloween“ eine durchweg sehenswerte Neuinterpretation, die den Klassiker von einer anderen Seite beleuchtet, jedoch ohne das große Vorbild jemals aus den Augen zu lassen. Dahingehend am Interessantesten gestaltet sich die Aufbereitung von Michael Myers Jugendjahren. Während Carpenters Film sich diesbezüglich nicht allzu lange aufhielt, geht es Zombie darum, eine Motivbasis für Myers Handeln zu etablieren. Beim Original wird der Initialmord beispielsweise wesentlich enger mit einer sexuellen Komponente verbunden, als es im Remake der Fall ist. Genretypisch konservativ wird dafür der Geschlechtsakt zwischen Michaels Schwester und ihrem Freund umgehend mit dem Tode „geahndet“ und somit zum Zünder der Geschichte auserkoren. In Zombies „Halloween“ tritt dieser Aspekt weiter in den Hintergrund. Vielmehr liegt hier der Fokus auf dem bis ins Mark erschütterten Familienleben der Myers und dessen Auswirkungen auf einen jungen Menschen wie Michael. Dabei darf sich Zombie, welcher durch die Fireflys schließlich schon reichliche Erfahrungen mit gestörten Familien sammeln konnte, ordentlich austoben. Hier und da vielleicht ein bisschen zu überzeichnet, zu kaputt, zu stereotyp, um ernst genommen zu werden, aber im Gesamtkonzept des Films durchaus vertretbar. Das erste Opfer von Zombies Michael stammt überraschenderweise nicht aus der eigenen Familie, sondern ist ein nicht gerade sympathisches Exemplar der Gattung Mitschüler. Nachdem sich Michael dessen angenommen und schlussendlich auch seine Familienmitglieder- sprich: den tyrannischen Stiefvater- dezimiert hat, macht der Film einen größeren Sprung auf der Zeitachse in Richtung Gegenwart, jedoch nicht ohne noch etwas genauer auf die Zeit in der Nervenklinik einzugehen, welche Carpenter zumeist ausgespart hat. Die verschiedenen Ansätze der Regisseure werden so besonders in der ersten Hälfte des Streifens offensichtlich und verleihen dem Remake ein Stück weit wohlige Eigenständigkeit. Und auch in Bezug auf Gewalt geht Zombie seine eigenen Wege, denn von den feinfühlig platzierten, kaum blutigen Taten findet sich anno 2007 kaum noch etwas wieder. Zombie, getreu dem Motto „viel hilft viel“, bombardiert den Zuschauer mit in tiefrot gemalten Schreckensvisionen- tauscht somit Carpenters chirurgisches Feinbesteck gegen den Titanvorschlaghammer. Keine Spur mehr von Off- Screen oder vorsätzlich abgedunkelten Bildern, Zombie überträgt seine bereits wohlbekannte, kompromisslose Einstellung gegenüber Gewalt konsequent auf das „Halloween“- Projekt. Beim Cast des Streifens beweist er ein (überwiegend) goldenes Händchen. So beispielsweise beim kleinen Michael Myers (Daeg Faerch). Die Wahl hätte nicht besser ausfallen können. Er verkörpert eine wohl ausbalancierte Mischung aus zutiefst gestörtem Wahnsinnigen und zeitgleich Mitleid erregendem Kind, was für das Alter des Jungschauspielers absolut beachtlich ist. Nebenher gibt es dann auch für Filmfreaks noch kleinere Schmankerl in Form von interessant besetzten Nebenrollen zu entdecken. So darf man Danny Trejo („From Dusk Till Dawn“, „Heat“, „Desperado“) als Putzmann Ismael Cruz, Ken Foree („Dawn of the Dead“ (1978) als Trucker Big Joe Grizzley und auch Udo Kier bewundern. Doch bei all dem Lob in Bezug auf den Cast muss man zugestehen, dass Malcolm McDowell („Caligula“) ein mittelschwerer Fehlgriff ist. Er wirkt stets deplaziert und kann die Rolle, die ehemals vom verstorbenen Donald Pleasence verkörpert wurde, nicht ausfüllen.

Rob Zombies „Halloween“ ist ein durchweg gelungenes Remake, was zwar weit hinter Carpenters Original rangiert, nichtsdestotrotz einen unterhaltsamen Filmabend garantiert. Der Eindruck wäre vielleicht noch ein wenig positiver ausgefallen, hätte Zombie das letzte Drittel ein bisschen gestrafft, um dem Film etwas mehr Drive zu verleihen. So zieht sich der Teil des Films leider doch ein wenig, was nicht unbedingt hätte sein müssen. (8/10 Punkten)

Dienstag, 9. Oktober 2007

Land of the Dead


Nachdem George A. Romero seine Zombies mit „Day of the Dead“ 1985 vorerst in den Ruhestand schickte, mussten 20 Jahre ins Land streichen, ehe er sich wieder des Stoffs annahm, der ihm einst den Durchbruch bescherte. Mit „Land of the Dead“ präsentierte Romero 2005 nun eine weitere Fortsetzung seiner wandelnden Untoten, welche qualitativ leider nicht so recht an alte Tage heranreichen kann. Die Epidemiegeschichte wird konsequent weitergesponnen. Befanden wir uns in „Day of the Dead“ noch in einem Anpassungszustand an die Zombiebesetzung, scheint man sich in „Land of the Dead“ bereits an ein Leben in „unfriedlicher Koexistenz“ gewöhnt zu haben. Innerhalb der gesicherten Mauern einer zurückeroberten Stadt versuchen die Bewohner an einen Lebenswandel anzuknüpfen, der weitestgehend einem, unter diesen Umständen erreichbaren, Normalzustand gleichkommt. Versorgung erhält die Stadt von einer modernen Raubrittergruppe, die im Auftrag des Stadtobersten Kaufmann die Zombie kontaminierten Regionen nach Lebensmitteln durchsucht. Die Katastrophe (ohne dergleichen wären solche Filme schließlich langweilig) lässt jedoch nicht lange auf sich warten und so fallen die blutdürstigen Zombies über die für sicher erachtete Stadt her. Ein Hauptschwachpunkt von „Land of the Dead“ findet sich in einer stark Action orientierten Inszenierung. Charakterentwicklung und der Aufbau einer bedrohlichen Atmosphäre geraten dabei stark ins Hintertreffen. Man versucht unbeholfen auf den Spuren des gelungenen „Dawn of the Dead“- Remakes von Zack Snyder zu wandeln, scheitert aber letztendlich an einer unausgegorenen Mischung . Zudem hätte man verstärkt auf ordentliche Special Effects- insbesondere in Bezug auf die Zombies- setzen sollen. Bleichgesichtige à la „Dawn of the Dead“ (1978) wären mir allemal lieber als diese Clowns aus der PC- Retorte gewesen. Zu gefallen wusste hingegen die „Charakterisierung“ der untoten Zeitgenossen. Der Film beschreibt eine Entwicklung, sozusagen eine Zombie- Evolution, die die Untoten gefährlicher denn je macht. Bereits in „Day of the Dead“ hatte dahingehend eine Veränderung stattgefunden, dass die Zombies nun zu simpelsten Gefühlsregungen bzw. Gedächtnisleistungen fähig waren. Mit „Land“ wird konsequent die nächste Stufe eingeläutet. Einfache Werkzeuge werden zweckmäßig- meist natürlich zum Morden- eingesetzt und auch die Zombies scheinen sich soweit an ihr altes Leben zu erinnern, dass sie versuchen, nach alten eingeprägten Mustern ihr Dasein zu fristen. Letzteres setzt sie somit auf eine Stufe mit den Bewohnern der hermetisch abgeriegelten Stadt. Und besonders die Bevölkerung der Slums hat interessanterweise wesentlich mehr mit den Feinden gemeinsam als vielleicht auf den ersten Blick sichtbar. Weil sie vom Obersten der Stadt, Mr. Kaufmann, welcher wohlbehütet in seiner Suite residiert, ausgenutzt und im Stich gelassen werden, brodelt es gewaltig im Untergrund. Genau an dieser Stelle hat Romero eine Prise Gesellschafts- bzw. wenn man so will Kapitalismuskritik eingeflochten. Revolutionäre und umstürzlerische Pläne werden gegen die Mächtigen geschmiedet. Im Endeffekt verlaufen jedoch alle Bemühungen als blabla im Sande. Die Untoten- zwar eine vermeintlich hirnlose graue Masse- haben genau das gleiche Ziel: die Stadt samt Kaufmanns Tower- hier das Symbol des Kapitalismus schlechthin- einzunehmen. Und was soll man sagen, sie sind auf ihre Art und Weise erfolgreich, weil sie nicht reden, sondern handeln. Ein nur allzu bekanntes Credo, das Erfolg zu versprechen scheint. Von Romero in seinen Mechanismen sicherlich stark simplifiziert, aber in der Grundaussage trotzdem stimmig. Solch ansprechende Gedankengänge verlieren jedoch aufgrund einer actionlastigen und spannungsarmen Inszenierung stark an Bedeutung. Schlussendlich muss man Romero leider bescheinigen, dass eine dritte „Dead“- Fortsetzung nicht an seine früheren Zombiefilme heranreicht. Ihm gelingt es zwar, mit ein paar netten Aspekten zu punkten, doch allgemeinhin mangelt es dem Film an Atmosphäre, Spannung und vor allem Substanz. (6/10 Punkten)