Donnerstag, 7. August 2008

"Francois Truffaut" von Antoine de Baecque/Serge Toubiana


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dies ist zweifelsohne nicht falsch. Oftmals erweist es sich jedoch als spannend, zu erfahren, was Wörter für ein Vermögen besitzen, wenn man sie nicht in direkte Konkurrenz zu Bildern setzt, sondern sie vielmehr über (laufende) Bilder berichten lässt. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle die neue Rubrik „Buchrezensionen“ einführen, die sich künftig mit dem Thema „Film in der Literatur“ beschäftigen wird. Die Spanne dafür ist weit bemessen: Drehbücher, Biographien, Filmvorlagen, theoretische Texte zur Filmgeschichte u. ä. Alles jenes findet in der neuen Rubrik seinen potentiellen Platz.



Francois Truffaut von Antoine de Baecque & Serge Toubiana

Die erste Empfehlung dieser neuen Rubrik hat sich ganz der Liebe verschrieben. Sowohl der Liebe zum Kino allgemein, als auch der Liebe zu einem großen Regisseur: Francois Truffaut, welchem Antoine de Baecques und Serge Toubiana mit ihrer schlicht „Francois Truffaut“ betitelten Mammut-Biographie ein überlebensgroßes Denkmal setzen. Aufwändig recherchiert und mit einem besonderen Blick für Details rekonstruieren sie Truffauts Lebensweg. Von den komplizierten Jugendjahren bis hin zu seinem frühzeitigen Tod im Jahr 1984 verknüpfen sie den Privatmenschen mit seinem filmischen Schaffen. Der Kampf als Filmkritiker gegen das „alte Qualitätskino“, der Überraschungserfolg seines Spielfilmerstlings „Sie küßten und sie schlugen ihn“ und die sukzessiv erfolgende Etablierung in der Filmbranche sind nur einige wichtige Etappen im Leben Truffauts, die das Gespann de Baecque/Toubiana vor den Augen des Lesers wiederauferstehen lässt. Neben einer wirklich gelungenen, von tiefem Verständnis zeugenden Biographie gelingt dem Autoren-Duo zeitgleich ein spannender Abriss des damaligen Kinos, insbesondere der aufkeimenden „Nouvelle Vague“. Godard, Rohmer, Rivette, Chabrol und Co. Alle sind sie mit von der Partie, sowohl als Teil des neuen französischen Films als auch von Truffauts Leben.

Ohne unnötige Überdramatisierung der Lebensgeschichte gelingt es dem Buch den Leser zu fesseln und für den Menschen Truffaut zu begeistern – für einen Menschen, der bei weitem kein einfacher Charakter war. Jedoch ein Charakter mit Charme, Anziehungskraft und Leidenschaft, was jede einzelne Seite der Biographie spüren lässt – ohne jedoch langweilig einseitig oder verklärend daherzukommen. Ein weiterer positiver Aspekt ist der lebendige und mitreißende Schreibstil bzw. eine gute deutsche Übersetzung des selbigen. Das Resultat: akute Suchtgefahr, die soweit führt, dass man das Buch nicht mehr freiwillig beiseite legen möchte. Abschließend bleibt zu sagen, in diesem Buch steckt soviel Liebe, dass man gar nicht anders kann, als ihm ebenso viel Liebe entgegen zu bringen. Die Magie des Buchs lässt Cinephilen schlicht keine andere Wahl, als sich gefangen nehmen zu lassen, um vielleicht hinterher die Welt des Films mit anderen Augen entdecken zu können. In Punkten wären es glatte 11/10 Punkten.

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